Hamburg möchte den Radverkehr attraktiver, sicherer und alltagstauglicher machen. Neue Radwege, geschützte Radfahrstreifen, Fahrradstraßen und die sogenannten Velorouten sollen dazu beitragen, dass mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen nutzen. Gleichzeitig steht die Hansestadt vor Herausforderungen: Baustellen, schmale Radwege, Konflikte mit dem Autoverkehr und Unfälle beeinflussen den Alltag vieler Radfahrer.
Doch wie weit ist Hamburg auf dem Weg zur Fahrradstadt? Wie hoch ist der Radverkehrsanteil, welche Fortschritte gibt es beim Ausbau der Velorouten und wie entwickeln sich die Unfallzahlen?
Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Kennzahlen, die Infrastruktur und die Ziele für 2026. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Nicht für alle Bereiche liegen bereits vollständige Jahresdaten für 2026 vor. Deshalb werden aktuelle Planungen und Entwicklungen von den zuletzt veröffentlichten statistischen Vergleichswerten getrennt.
1. Radverkehr in Hamburg 2026: Die wichtigsten Kennzahlen
Hamburg verfügt über gute Voraussetzungen für eine stärkere Fahrradnutzung. Die Stadt ist groß genug, um viele Alltagswege mit dem Fahrrad zurückzulegen, und investiert seit Jahren in die Radverkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig erschweren große Straßenachsen, Brücken, Baustellen und die unterschiedlichen Platzverhältnisse in den Stadtteilen eine durchgängige Radverkehrsplanung.
Zu den wichtigsten Kennzahlen für die Bewertung der Fahrradstadt gehören:
- Radverkehrsanteil: Wie häufig wird das Fahrrad für Wege im Alltag genutzt?
- Veloroutennetz: Wie weit ist das geplante Netz ausgebaut und wie gut sind die Strecken miteinander verbunden?
- Radwegequalität: Gibt es ausreichend breite, sichere und möglichst vom Autoverkehr getrennte Wege?
- Unfallzahlen: Wie viele Fahrradunfälle werden registriert und wie schwer sind die Folgen?
- Fahrraddiebstähle: Wie gut sind Fahrräder geschützt und wie zuverlässig ist die Abstellinfrastruktur?
- Verkehrssicherheit: Wie sicher fühlen sich Radfahrer an Kreuzungen, Einmündungen und stark befahrenen Straßen?
Eine zentrale Informationsquelle ist die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende Hamburg. Dort finden sich Informationen zur Radverkehrsstrategie, zum Ausbau der Infrastruktur und zu verkehrspolitischen Zielen.
Ergänzend bietet das Statistikamt Nord amtliche Daten zur Verkehrsentwicklung und Bevölkerung. Für Unfallzahlen ist außerdem die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik relevant.
2. Wie hoch ist der Radverkehrsanteil in Hamburg?
Der Radverkehrsanteil beschreibt, wie groß der Anteil der Wege ist, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Er ist ein wichtiger Indikator dafür, ob eine Stadt tatsächlich zu einer Fahrradstadt wird.
Dabei muss zwischen verschiedenen Messgrößen unterschieden werden. Der Anteil des Fahrrads an allen zurückgelegten Wegen ist nicht dasselbe wie der Anteil am täglichen Verkehrsaufkommen, an der Zahl der Fahrten oder an der zurückgelegten Strecke.
Hamburgs Ziel: Mehr Wege mit dem Fahrrad
Die Hamburger Verkehrspolitik verfolgt das Ziel, den Umweltverbund aus Fußverkehr, Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr zu stärken. Das Fahrrad soll eine verlässliche Alternative zum Auto werden, insbesondere auf kurzen und mittleren Strecken.
Eine wichtige Grundlage für die Bewertung ist die Studie Mobilität in Deutschland (MiD). Sie untersucht, wie Menschen in Deutschland ihre Wege zurücklegen, und ermöglicht Vergleiche zwischen Städten und Regionen.
Die Ergebnisse sind allerdings nicht jedes Jahr in identischer Form verfügbar. Ein einzelner Zielwert für 2026 darf daher nicht ohne Weiteres als tatsächlich gemessener Radverkehrsanteil ausgegeben werden.
Aktuelle Informationen zur Studie bietet die Website Mobilität in Deutschland.
Warum der Radverkehrsanteil nicht überall gleich ist
Die Fahrradnutzung unterscheidet sich innerhalb Hamburgs erheblich. In dicht bebauten Stadtteilen mit kurzen Wegen und guter Infrastruktur kann das Fahrrad besonders praktisch sein. Dazu gehören beispielsweise Teile von Eimsbüttel, Altona und der inneren Stadt.
In äußeren Stadtteilen sind die Wege häufig länger. Auch die Entfernung zur nächsten Schnellbahnhaltestelle, die Verfügbarkeit sicherer Radwege und die Topografie beeinflussen die Verkehrsmittelwahl.
Weitere Faktoren sind:
- die Qualität der Radwege entlang wichtiger Pendlerstrecken,
- sichere Abstellmöglichkeiten am Wohnort und am Arbeitsplatz,
- die Erreichbarkeit von Schulen, Geschäften und Freizeitangeboten,
- die Kombination von Fahrrad und Bahn,
- Wetterbedingungen und persönliche Mobilitätsbedürfnisse.
Ein steigender Radverkehrsanteil ist deshalb nicht allein eine Frage neuer Radwege. Entscheidend ist, ob sich das Fahrrad im Alltag als sichere, komfortable und zuverlässige Option anbietet.
3. Velorouten Hamburg: Was steckt hinter dem Ausbauprogramm?
Die Velorouten bilden einen wichtigen Bestandteil der Hamburger Radverkehrsplanung. Sie sollen Wohngebiete mit der Innenstadt, wichtigen Arbeitsplätzen, Bahnhöfen und anderen zentralen Zielen verbinden.
Im Unterschied zu einzelnen Radwegen handelt es sich um ein zusammenhängendes Netz. Eine Veloroute kann je nach örtlichen Bedingungen über baulich getrennte Radwege, Radfahrstreifen, Fahrradstraßen oder geeignete Nebenstraßen verlaufen.
Das Ziel ist eine möglichst durchgängige Verbindung, auf der Radfahrer sicher und ohne unnötige Unterbrechungen vorankommen.
Wie ist das Veloroutennetz aufgebaut?
Die Hamburger Planung umfasst zwölf Velorouten, die aus den äußeren Stadtteilen in Richtung Innenstadt führen. Sie ergänzen das vorhandene Radwegenetz und sollen eine bessere Orientierung für längere Alltagsfahrten ermöglichen.
Wichtig ist dabei nicht nur die Gesamtlänge des Netzes. Auch die Qualität der einzelnen Abschnitte entscheidet darüber, ob eine Route im Alltag tatsächlich attraktiv ist.
Ein gut ausgebauter Abschnitt verliert beispielsweise an Nutzen, wenn er an einer stark befahrenen Kreuzung endet oder anschließend auf einer engen Straße ohne ausreichende Sicherheitsabstände weitergeführt wird.
Informationen zu den Routen und zum Planungsstand veröffentlicht die Stadt auf ihrer Website zur Radverkehrsinfrastruktur in Hamburg.
Welche Maßnahmen gehören zum Ausbau?
Der Ausbau der Velorouten umfasst verschiedene bauliche und verkehrsorganisatorische Maßnahmen:
- Neue oder verbreiterte Radwege.
- Geschützte Radfahrstreifen auf stark befahrenen Straßen.
- Fahrradstraßen mit Vorrang für den Radverkehr.
- Verbesserte Kreuzungen und sichere Querungsmöglichkeiten.
- Bessere Oberflächen und eine übersichtlichere Wegführung.
- Neue Fahrradabstellanlagen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten.
Die Umsetzung erfolgt abschnittsweise. Dadurch können einzelne Strecken bereits gut nutzbar sein, während andere noch geplant, gebaut oder umgestaltet werden.
Für 2026 ist deshalb der konkrete Projektstand entscheidend: Eine angekündigte Maßnahme ist noch kein fertiggestellter Radweg. Wer eine bestimmte Verbindung nutzen möchte, sollte aktuelle Baustellen- und Streckeninformationen prüfen.
4. Wo wird Hamburgs Radverkehrsinfrastruktur besonders wichtig?
Die Qualität des Radwegenetzes zeigt sich vor allem auf stark genutzten Pendlerstrecken. Dort müssen Radfahrer häufig mit Autos, Bussen, Lieferverkehr und Fußgängern zurechtkommen.
Altona und Eimsbüttel
In den dicht bebauten westlichen Stadtteilen sind viele Ziele relativ nah beieinander. Das schafft gute Voraussetzungen für den Radverkehr. Gleichzeitig ist der verfügbare Straßenraum begrenzt.
Die Herausforderung besteht darin, sichere Radverkehrsflächen zu schaffen, ohne dass Kreuzungen, Haltestellen und Lieferzonen zu neuen Konfliktpunkten werden.
Innenstadt und Hauptverkehrsstraßen
Die Innenstadt ist ein wichtiger Zielpunkt für Berufspendler. Hier treffen Radverkehr, Fußgänger, Busse, Lieferverkehr und Autos auf engem Raum zusammen.
Besonders wichtig sind deshalb verständliche Kreuzungsführungen, ausreichend breite Radwege und sichere Übergänge zwischen einzelnen Streckenabschnitten.
Äußere Stadtteile und Umland
In den äußeren Stadtteilen sind längere Wege und Verbindungen zu Schnellbahnstationen entscheidend. Gute Radwege können hier dazu beitragen, dass mehr Menschen mit dem Fahrrad zur Bahn fahren und auf einen Teil der Autofahrten verzichten.
Eine besondere Rolle spielen sichere Abstellanlagen an Bahnhöfen und die Verbindung zwischen Wohngebieten und wichtigen Verkehrsknotenpunkten.
Die wichtigste Erkenntnis lautet: Nicht nur die Zahl der gebauten Kilometer zählt. Entscheidend ist, ob ein durchgängiges Netz entsteht, das sich für möglichst viele Menschen sicher nutzen lässt.
5. Radverkehrsanteil: Was sagen die aktuellen Daten?
Eine wichtige Neuerung für die Analyse des Hamburger Verkehrs ist der im März 2026 vorgestellte Mobilitätsmonitor Hamburg. Das digitale Dashboard ermöglicht es, die Entwicklung von Fahrradverkehr, Autoverkehr und öffentlichem Nahverkehr anhand aktueller Verkehrsdaten und einzelner Zählstandorte zu untersuchen.
Für den Anteil des Fahrrads an allen zurückgelegten Wegen ist dagegen der sogenannte Modal Split besonders relevant. Hierfür veröffentlicht Hamburg Daten auf Grundlage der bundesweiten Studie „Mobilität in Deutschland“.
Der im August 2026 aktualisierte Datensatz zum Modal Split Hamburg bezieht sich auf das Jahr 2023. Er enthält Auswertungen für die sieben Hamburger Bezirke und sieben Stadtregionen.
Das ist für die Interpretation der Fahrradstadt wichtig: Auch wenn 2026 neue Zählwerte vorliegen, sind diese nicht automatisch mit dem Anteil aller Wege gleichzusetzen. Zählstellen erfassen vorbeifahrende Fahrräder an bestimmten Orten, während der Modal Split die Verkehrsmittelwahl für sämtliche untersuchten Wege beschreibt.
Für einen belastbaren Vergleich sollten deshalb immer Erhebungsmethode, Zeitraum und räumliche Abgrenzung angegeben werden.
6. Unfallzahlen in Hamburg: Wie sicher ist Radfahren?
Die Verkehrssicherheit gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fahrradstadt. Wer sich auf dem Fahrrad unsicher fühlt, wird möglicherweise auch bei kurzen Strecken das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel bevorzugen.
Die vollständige Verkehrssicherheitsbilanz für 2025 wurde im Februar 2026 veröffentlicht. Nach Angaben der Hamburger Polizei stieg die Zahl der Fahrradunfälle gegenüber dem Vorjahr leicht um 1,2 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der schwerverletzten Radfahrer um 7,6 Prozent zurück. Elf Radfahrer kamen 2025 bei Verkehrsunfällen ums Leben.
Diese Zahlen zeigen, warum bei der Bewertung der Verkehrssicherheit mehrere Kennzahlen berücksichtigt werden müssen. Eine sinkende Zahl schwerer Verletzungen ist positiv, während tödliche Unfälle weiterhin ein erhebliches Problem darstellen.
Die häufigsten Unfallursachen
Die Hamburger Verkehrssicherheitsbilanz nennt insbesondere folgende Ursachen bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung:
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Fehler beim Abbiegen
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Einfahren in den fließenden Verkehr
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Missachtung der Vorfahrt
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Konflikte an Kreuzungen und Einmündungen
Solche Situationen sind besonders gefährlich, wenn Radfahrer im toten Winkel eines Fahrzeugs fahren oder die Verkehrsführung unübersichtlich ist. Auch plötzlich geöffnete Autotüren, parkende Fahrzeuge und unzureichend gesicherte Radfahrstreifen können Risiken verursachen.
Die Stadt kann diese Gefahren durch geschützte Radwege, übersichtliche Kreuzungen, sichere Querungen und eine klare Trennung unterschiedlicher Verkehrsarten verringern. Gleichzeitig tragen angepasste Geschwindigkeit, Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme zur Unfallvermeidung bei.
Wie entwickeln sich die Unfallzahlen 2026?
Für das laufende Jahr sind bereits vorläufige Monatsdaten verfügbar. Das Statistikamt Nord veröffentlichte beispielsweise im August 2026 die vorläufigen Straßenverkehrsunfallzahlen für Hamburg im Mai 2026.
Solche Monatsdaten ermöglichen eine frühzeitige Beobachtung, ersetzen aber keine vollständige Jahresbilanz. Außerdem sollten Fahrradunfälle gesondert betrachtet werden, statt sämtliche Verkehrsunfälle zusammenzurechnen.
Für eine faire Bewertung wäre zusätzlich wichtig, die Unfallzahlen ins Verhältnis zur tatsächlichen Fahrradnutzung zu setzen. Steigt die Zahl der Fahrradfahrten deutlich, können absolute Unfallzahlen allein ein unvollständiges Bild der Sicherheit vermitteln.
7. Ausbau der Radwege 2026: Diese Projekte sind besonders relevant
Hamburg setzt beim Ausbau nicht nur auf zusätzliche Radwegkilometer, sondern zunehmend auch auf baulichen Schutz und bessere Verbindungen. Nach Angaben der Verkehrsbehörde wurden seit 2020 insgesamt 343 Kilometer Radwege gebaut oder saniert. Allein 2025 kamen rund 50 Kilometer hinzu; 66 Prozent der umgesetzten Radverkehrsinfrastruktur wurden dabei als geschützte Infrastruktur ausgeführt.
Für 2026 wurden weitere Maßnahmen angekündigt oder begonnen.
Geschützte Radfahrstreifen
An mehreren Straßen sollen bauliche Protektionselemente Radfahrer besser vom Autoverkehr trennen. Zu den genannten Pilotstandorten gehören die Alsenstraße, der Friedrich-Ebert-Damm, der Glockengießerwall, das Rugenfeld und der Steintorwall.
Neue und sanierte Radwege
In der Saarlandstraße, Steinstraße und Georg-Wilhelm-Straße sind Maßnahmen für eine bessere Radverkehrsführung vorgesehen. Sie sollen die Qualität bestehender Verbindungen verbessern.
Radroute Plus und neue Verbindungen
Der Karl-Heinz-Rissmann-Weg ist als Radroute Plus mit einem getrennten Zweirichtungsradweg vorgesehen. Auch die Verbindung über die Elbgaustraße wird im Rahmen des überarbeiteten Radnetzes weiterentwickelt.
Weitere Vorhaben betreffen den Eppendorfer Marktplatz, die Manshardtstraße und die St.-Pauli-Hafenstraße. Hinzu kommen neue Beschilderungen und Verbesserungen an einzelnen Übergängen und Kreuzungen. Die Projektübersicht veröffentlicht die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende.
Dabei gilt: Angekündigte, im Bau befindliche und fertiggestellte Maßnahmen sind unterschiedliche Projektstände. Nicht jede für 2026 vorgesehene Maßnahme ist bereits abgeschlossen.
8. Das Hamburger Radnetz: Mehr als die klassischen Velorouten
Die bisherigen Velorouten sind ein wichtiger Bestandteil der Radverkehrsplanung. Hamburg entwickelt das Konzept jedoch weiter und richtet den Blick zunehmend auf ein umfassenderes Radnetz.
Der Unterschied ist relevant: Eine einzelne Veloroute kann auf längeren Abschnitten gut ausgebaut sein, während die Verbindung zum nächsten Stadtteil oder Bahnhof noch Lücken aufweist. Ein zusammenhängendes Radnetz soll solche Übergänge verbessern.
Der amtliche Datensatz Radverkehrsnetz Hamburg erfasst unterschiedliche Anlagen, darunter Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Fahrradstraßen und Straßen mit Mischverkehr. Er enthält unter anderem Angaben zur Art und Breite der Anlagen sowie zur Oberfläche und Fahrtrichtung.
Für Radfahrer ist das besonders hilfreich, weil die Qualität einer Verbindung nicht allein von ihrer Länge abhängt. Eine breite, gut geschützte Strecke ist anders zu bewerten als ein schmaler Schutzstreifen neben parkenden Autos.
Auch die Baustellenführung ist wichtig. Selbst ein gut ausgebauter Weg kann vorübergehend unattraktiv oder unsicher werden, wenn Umleitungen schlecht ausgeschildert sind oder Radfahrer plötzlich auf den Autoverkehr ausweichen müssen.
9. Was Hamburg von einer echten Fahrradstadt noch trennt
Trotz der Investitionen bestehen weiterhin Herausforderungen. Eine fahrradfreundliche Stadt benötigt nicht nur Radwege, sondern ein Gesamtsystem, das für unterschiedliche Altersgruppen und Fähigkeiten funktioniert.
Durchgängige und sichere Verbindungen
Radwege sollten möglichst ohne häufige Unterbrechungen verlaufen. Besonders an Kreuzungen, Einmündungen und Bushaltestellen sind klare Verkehrsführungen wichtig. Wer regelmäßig vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln muss, empfindet die Strecke möglicherweise als weniger sicher.
Ausreichend Platz für unterschiedliche Fahrräder
Lastenräder, Fahrräder mit Anhängern und breitere Spezialräder benötigen mehr Platz als herkömmliche Fahrräder. Auch das sichere Überholen und Begegnen sollte bei der Planung berücksichtigt werden.
Sichere Abstellmöglichkeiten
An Bahnhöfen, Schulen, Einkaufsbereichen und Wohnhäusern werden zuverlässige Abstellanlagen benötigt. Überdachte Stellplätze und gesicherte Fahrradparkhäuser können die Kombination aus Fahrrad und Bahn attraktiver machen.
Gute Pflege und Winterdienst
Schlaglöcher, Laub, Schnee, Glasscherben und schlecht erkennbare Markierungen können die Sicherheit beeinträchtigen. Ein funktionierendes Radnetz muss daher regelmäßig gewartet und gereinigt werden.
Verständliche Baustellenführung
Baustellen sind unvermeidlich, sollten aber möglichst sichere und gut ausgeschilderte Alternativen bieten. Gerade auf stark genutzten Pendlerstrecken ist es wichtig, dass Umleitungen nicht zu zusätzlichen Konflikten mit Fußgängern und Autos führen.
10. Fazit: Wie fahrradfreundlich ist Hamburg 2026?
Hamburg macht Fortschritte beim Ausbau seiner Radverkehrsinfrastruktur. Seit 2020 wurden nach Angaben der Stadt 343 Kilometer Radwege gebaut oder saniert. Für 2026 sind weitere Maßnahmen geplant, darunter geschützte Radfahrstreifen, sanierte Wege und neue Verbindungen im überarbeiteten Radnetz.
Auch bei der Datengrundlage gibt es Fortschritte: Der Mobilitätsmonitor ermöglicht einen aktuelleren Blick auf die Verkehrsentwicklung, während Modal-Split-Daten und amtliche Unfallstatistiken die langfristige Bewertung ergänzen.
Bei der Sicherheit bleibt Handlungsbedarf. Die Verkehrssicherheitsbilanz für 2025 zeigt einen leichten Anstieg der Fahrradunfälle, einen Rückgang der schwerverletzten Radfahrer und elf tödlich verunglückte Radfahrer. Für eine abschließende Bewertung des Jahres 2026 müssen die vollständigen Jahresdaten abgewartet werden.
Ob Hamburg tatsächlich zu einer überzeugenden Fahrradstadt wird, entscheidet sich letztlich im Alltag: Können Menschen sicher zur Arbeit fahren? Sind Stadtteile lückenlos verbunden? Gibt es ausreichend Platz, gute Abstellmöglichkeiten und sichere Kreuzungen?
Je besser diese Anforderungen erfüllt werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass mehr Hamburgerinnen und Hamburger das Fahrrad regelmäßig nutzen.