Hamburg will bis 2040 klimaneutral werden. Dafür muss die Hansestadt ihre Energieversorgung in vergleichsweise kurzer Zeit grundlegend verändern. Besonders wichtig sind dabei drei Bereiche: Solarenergie, Windkraft und erneuerbare Wärme.
Die aktuellen Zahlen zeigen ein gemischtes, aber insgesamt positives Bild. Während die Photovoltaik 2025 einen deutlichen Wachstumsschub verzeichnete, bleibt die Windenergie in Hamburg aufgrund der begrenzten Flächen ein wichtiger, aber vergleichsweise kleiner Baustein. Noch größer ist die Herausforderung bei der Wärmeversorgung: Hier sollen Wärmenetze, Abwärme, Großwärmepumpen und weitere erneuerbare Energiequellen künftig eine zentrale Rolle übernehmen.
Hamburgs erneuerbarer Strom wächst
2025 wurden in Hamburg nach vorläufigen Angaben der Netzbetreiber rund 1,5 Millionen Megawattstunden Strom eingespeist. Das waren 1,8 Prozent mehr als 2024.
Davon stammten rund 0,5 Millionen MWh aus erneuerbaren Energien. Damit entfiel ungefähr ein Drittel der gesamten Stromeinspeisung auf regenerative Quellen.
Der Anteil ist allerdings noch deutlich niedriger als in vielen Flächenländern. Hamburg hat aufgrund seiner dichten Bebauung, seiner begrenzten Fläche und seines hohen Energieverbrauchs besondere Voraussetzungen.
Interessant ist deshalb weniger der absolute Anteil als die Geschwindigkeit des Ausbaus einzelner Technologien.
Photovoltaik erlebt einen deutlichen Wachstumsschub
Besonders dynamisch entwickelt sich die Solarenergie.
Die Stromerzeugung aus Photovoltaik stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 52,8 Prozent. Damit erreichte Solarstrom erstmals den dritten Platz unter den erneuerbaren Energieträgern bei der Hamburger Stromeinspeisung – hinter Windenergie und Biomasse.
Der Zuwachs zeigt, welches Potenzial auf Hamburgs Dächern steckt.
Auch die öffentlichen Gebäude spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Ende 2025 verfügte die Stadt auf öffentlichen Gebäuden über 286 Photovoltaikanlagen mit insgesamt 11.153 kWp Leistung. Die installierte Leistung war damit innerhalb eines Jahres um fast 50 Prozent gestiegen.
Photovoltaik in Zahlen
| Kennzahl | Hamburg |
|---|---|
| PV-Leistung auf öffentlichen Gebäuden Ende 2025 | 11.153 kWp |
| PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden | 286 |
| Wachstum der PV-Stromeinspeisung 2025 | +52,8 % |
| Anteil PV an erneuerbarer Stromeinspeisung | rund 22 % |
Die Entwicklung macht deutlich: Solarenergie dürfte in Hamburg zu den wichtigsten Wachstumstechnologien der kommenden Jahre gehören.
Warum Solar für Hamburg besonders interessant ist
Hamburg besitzt vergleichsweise wenig freie Fläche für große Solarparks. Dafür gibt es Millionen Quadratmeter Dach- und Fassadenflächen.
Wohnhäuser, Gewerbeimmobilien, Bürogebäude, Schulen, Sporthallen und öffentliche Einrichtungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für Photovoltaikanlagen.
Gerade die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeichern kann dabei interessant sein. Ein Teil des Solarstroms kann direkt vor Ort genutzt werden, während überschüssige Energie gespeichert oder ins Netz eingespeist wird.
Für eine Großstadt mit hohem Strombedarf ist dezentrale Stromerzeugung besonders attraktiv.
Windenergie bleibt wichtiger Bestandteil
Windkraft ist in Hamburg ebenfalls ein relevanter Bestandteil der erneuerbaren Stromversorgung.
2025 stammte gut ein Drittel des erneuerbar eingespeisten Stroms aus Windenergie. Damit war Windkraft weiterhin der wichtigste einzelne erneuerbare Energieträger innerhalb der Hamburger Einspeisung.
Allerdings sind die Möglichkeiten für neue Windkraftanlagen im Stadtgebiet begrenzt.
Hamburg muss dabei verschiedene Interessen miteinander vereinbaren: Siedlungsentwicklung, Naturschutz, Landwirtschaft, Infrastruktur und die Interessen der Anwohner.
Deshalb dürfte der Ausbau der Windenergie in Hamburg langfristig weniger stark wachsen als die Photovoltaik.
Solar überholt andere erneuerbare Quellen
Besonders bemerkenswert ist die Veränderung innerhalb des Hamburger Ökostrommixes.
2025 entfielen rund:
- über ein Drittel auf Windenergie,
- 22 Prozent auf Biomasse,
- 22 Prozent auf Photovoltaik.
Solarenergie rückte damit erstmals auf Platz drei vor.
Das ist ein deutliches Signal für den Wandel der Hamburger Stromerzeugung.
Während Windkraft bereits seit Jahren einen wichtigen Beitrag leistet, wächst die Photovoltaik aktuell wesentlich dynamischer.
Biomasse bleibt ein wichtiger Baustein
Biomasse hatte 2025 einen Anteil von 22 Prozent an der erneuerbaren Stromeinspeisung. Damit liegt sie ungefähr auf dem Niveau der Photovoltaik.
Biomasse kann insbesondere dort interessant sein, wo kontinuierlich Energie bereitgestellt werden soll. Anders als Solar- und Windkraft ist die Stromproduktion nicht unmittelbar vom aktuellen Wetter abhängig.
Allerdings sind Biomassepotenziale begrenzt. Nachhaltige Rohstoffe stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Deshalb wird Biomasse voraussichtlich eher ein ergänzender Bestandteil der Energiewende bleiben.
Die große Herausforderung heißt Wärme
Noch wichtiger als die Stromerzeugung ist für die Klimaneutralität Hamburgs die Umstellung der Wärmeversorgung.
Wärme macht einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs von Haushalten und Unternehmen aus. Deshalb reicht es nicht aus, möglichst viel erneuerbaren Strom zu produzieren.
Hamburg muss gleichzeitig Gebäude anders beheizen und bestehende Wärmenetze umstellen.
Die Stadt arbeitet deshalb an einer kommunalen Wärmeplanung, die festlegen soll, welche Gebiete künftig beispielsweise über Wärmenetze, Wärmepumpen oder andere klimafreundliche Systeme versorgt werden können.
Im März 2026 wurde der Entwurf des Hamburger Wärmeplans vorgestellt. Hamburg verfolgt dabei das Ziel, bereits 2040 klimaneutral zu sein.
Wärmenetze versorgen rund ein Drittel der Gebäudewärme
Wärmenetze sind für Hamburg besonders wichtig.
Nach Angaben der Stadt decken Wärmenetze derzeit rund ein Drittel der Wärmeversorgung für Gebäudewärme ab. Gleichzeitig werden damit nur etwa jedes achte Gebäude versorgt.
Das zeigt das Potenzial, aber auch die Herausforderung des Systems.
Wärmenetze können eine große Zahl von Gebäuden gleichzeitig versorgen. Ihre Klimabilanz hängt allerdings davon ab, woher die Wärme stammt.
Genau hier setzt die Dekarbonisierung der Hamburger Wärmenetze an.
Erneuerbare Wärme und Abwärme sollen deutlich wachsen
Der Anteil erneuerbarer Wärme und unvermeidbarer Abwärme in den Hamburger Wärmenetzen lag in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei knapp 30 Prozent.
Bis 2030 soll dieser Anteil auf mehr als 50 Prozent steigen.
Dafür kommen verschiedene Energiequellen infrage:
- industrielle Abwärme,
- Großwärmepumpen,
- Umweltwärme,
- Solarthermie,
- Biomasse,
- Geothermie,
- weitere erneuerbare Energiequellen.
Die Wärmewende wird deshalb komplexer als die reine Umstellung der Stromproduktion.
Großwärmepumpen gewinnen an Bedeutung
Wärmepumpen spielen in Hamburg eine wichtige Rolle, weil sie Umweltwärme oder Abwärme für die Gebäudebeheizung nutzbar machen können.
Besonders interessant sind Großwärmepumpen für Wärmenetze. Sie können beispielsweise Wärme aus Flüssen, industriellen Prozessen, Abwasser oder anderen Quellen auf ein für das Fernwärmenetz nutzbares Temperaturniveau bringen.
Der Vorteil: Wenn der benötigte Strom zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammt, kann auch die Wärmeerzeugung Schritt für Schritt klimafreundlicher werden.
Fernwärme wird klimafreundlicher
Die Hamburger Fernwärme befindet sich ebenfalls im Wandel.
Statt langfristig auf fossile Energieträger zu setzen, soll das Wärmesystem zunehmend mit klimafreundlichen und flexiblen Energiequellen betrieben werden.
Hamburg beschreibt dabei insbesondere die stärkere Nutzung von erneuerbaren Energien und Abwärme als zentrale Bausteine der zukünftigen Wärmeversorgung.
Damit verändert sich auch die Bedeutung des Fernwärmenetzes: Aus einem klassischen Verteilnetz für zentral erzeugte Wärme soll zunehmend ein System werden, das unterschiedliche Wärmequellen miteinander verbindet.
65 Prozent erneuerbare Wärme bei neuen Heizungen
2026 verändert sich auch der rechtliche Rahmen.
Bei einem Heizungstausch in einem Bestandsgebäude gilt in Hamburg derzeit eine Pflicht von mindestens 15 Prozent erneuerbarer Wärme. Spätestens ab Ende Juni 2026 steigt der geforderte Anteil auf 65 Prozent, wenn die entsprechenden bundesrechtlichen Regelungen greifen.
Das bedeutet nicht, dass jede bestehende Gas- oder Ölheizung sofort ausgetauscht werden muss.
Eine funktionierende Heizung darf grundsätzlich weiter betrieben werden. Relevant wird die Vorgabe insbesondere beim Einbau einer neuen Heizungsanlage.
Für Eigentümer bedeutet dies, dass Wärmenetzanschluss, Wärmepumpe, Solarthermie oder Kombinationen verschiedener Technologien stärker in den Mittelpunkt rücken.
Hamburgs Energiewende in Zahlen
Die wichtigsten aktuellen Kennzahlen lassen sich kompakt zusammenfassen:
| Bereich | Kennzahl |
|---|---|
| Gesamte Stromeinspeisung 2025 | ca. 1,5 Mio. MWh |
| Erneuerbare Stromeinspeisung | ca. 0,5 Mio. MWh |
| Anteil erneuerbarer Energien an der Einspeisung | rund 1/3 |
| Wachstum erneuerbarer Stromeinspeisung | +2 % |
| Wachstum PV-Stromeinspeisung | +52,8 % |
| PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden | 286 |
| PV-Leistung auf öffentlichen Gebäuden | 11.153 kWp |
| Anteil Wind am erneuerbaren Strom | über 1/3 |
| Anteil Biomasse | 22 % |
| Anteil Photovoltaik | rund 22 % |
| Anteil erneuerbare Wärme + Abwärme in Wärmenetzen | knapp 30 % |
| Ziel erneuerbare Wärme + Abwärme in Wärmenetzen 2030 | über 50 % |
| Ziel Klimaneutralität Hamburg | 2040 |
Die Stromzahlen für 2025 stammen aus vorläufigen Angaben der Netzbetreiber.
Der entscheidende Unterschied zu Flächenländern
Hamburg kann bei der Energiewende nicht dieselbe Strategie verfolgen wie Schleswig-Holstein, Brandenburg oder Niedersachsen.
Dort stehen große Flächen für Windparks und Solarparks zur Verfügung. Hamburg ist dagegen eine dicht besiedelte Metropole mit hohem Energiebedarf.
Das führt zu einer besonderen Strategie:
mehr Solar auf Gebäuden, effizientere Energienutzung, klimafreundliche Wärmenetze und stärkere Nutzung von Abwärme.
Windenergie bleibt wichtig, kann aber allein aufgrund der begrenzten Flächen nicht die Hauptrolle übernehmen.
Wärmeplanung soll Orientierung geben
Die kommunale Wärmeplanung soll für Hamburg langfristig zeigen, welche Energieversorgung in welchen Stadtgebieten sinnvoll ist.
Im Wärmeportal der Stadt sind bereits Bestands- und Potenzialanalysen verfügbar. Dort werden unter anderem Potenziale für erneuerbare Energien, unvermeidbare Abwärme und Energieeinsparungen dargestellt.
Für Gebäudeeigentümer ist das besonders relevant.
Denn die Frage, ob sich eine Wärmepumpe, ein Wärmenetz oder eine andere Lösung eignet, hängt stark vom jeweiligen Standort ab.
Was muss bis 2040 noch passieren?
Die bisherigen Zahlen zeigen Fortschritte, aber auch die Größe der Aufgabe.
Bei der Photovoltaik ist Hamburg auf einem dynamischen Wachstumspfad. Der starke Anstieg der Solarstromerzeugung 2025 und der Ausbau auf öffentlichen Gebäuden sprechen dafür, dass dieser Trend anhalten kann.
Bei der Windenergie sind die Ausbaupotenziale dagegen begrenzter.
Die größte strukturelle Veränderung steht bei der Wärmeversorgung bevor. Wärmenetze müssen dekarbonisiert, Abwärme erschlossen und Wärmepumpen stärker eingesetzt werden.
Gleichzeitig muss der Strombedarf steigen dürfen, ohne dass dadurch neue fossile Abhängigkeiten entstehen. Das macht den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung und die Modernisierung der Netze zu zwei miteinander verbundenen Aufgaben.
Fazit: Solar boomt, Wind bleibt wichtig, Wärme wird zum Schlüssel
Hamburg macht bei den erneuerbaren Energien Fortschritte, allerdings in einem für eine Großstadt typischen Tempo.
Photovoltaik ist aktuell der dynamischste Bereich: 2025 stieg die PV-Stromeinspeisung um mehr als 50 Prozent. Auf öffentlichen Gebäuden erreichte Hamburg Ende 2025 bereits 286 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11.153 kWp.
Windenergie bleibt der wichtigste einzelne erneuerbare Stromlieferant, ist wegen der begrenzten Flächen aber nur eingeschränkt ausbaufähig.
Die Wärmewende ist die größte langfristige Herausforderung. Rund ein Drittel der Gebäudewärme wird bereits über Wärmenetze bereitgestellt. Der Anteil erneuerbarer Wärme und unvermeidbarer Abwärme soll dort bis 2030 von knapp 30 auf mehr als 50 Prozent steigen.
Damit zeichnet sich für Hamburg ein klares Bild für 2026 ab: Solarenergie liefert den stärksten Ausbauimpuls, Windkraft bleibt eine wichtige Säule und die Umstellung der Wärmeversorgung entscheidet maßgeblich darüber, ob Hamburg sein Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erreichen kann.
